Theaterbesuch mit den 8. und 9.Klassen
Im November besuchten die Jahrgangsstufen 8 und 9 der Regionalen Schule Sanitz das Volkstheater Rostock. Gesehen wurde das Stück „Fucking fucking schön“ von Eva Rottmann. Bereits der Titel weckte die Neugier der Schüler, wobei schon beim ersten Hören auch ein bisschen Verlegenheit aufkam. „Erste Male?“, „Geht es da um Sex?“, hörte man die Schüler tuscheln.
Ja, es ging thematisch auch unter anderem um das erste Mal im herkömmlichen Sinne. Doch die insgesamt 10 unterschiedlichen Szenen, die von jungen Schauspielern der HMT gespielt wurden, behandelten verschiedene Themen, mit denen sich vermutlich viele Jugendliche vorher, aufgrund von gesellschaftlichen Tabuisierungen und Hemmungen, noch nicht wirklich tief oder im Gespräch mit anderen auseinandergesetzt hatten.
Abweichend von gewohnten Einstellungen und Handlungsweisen, wurde den Schülern während des Theaterstücks vor Augen geführt, dass es völlig normal ist, sich unsicher und schwach zu fühlen. In unseren Köpfen existieren oft Geschlechterrollen, die uns unter Druck setzen und denen wir oft gar nicht gerecht werden können, wollen und eigentlich auch nicht sollten. Es wurde gezeigt, dass Liebe und Beziehungen jeglicher Art stattfinden und offen gelebt werden dürfen – dass man sich für nichts schämen muss und seine unbeantworteten Fragen mutig stellen darf. Außerdem wurde die Thematik des übergriffigen Verhaltens aufgemacht und dem jungen Publikum aufgezeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen zu schützen. Es wurde ein Raum des vertrauten Miteinanders geschaffen, in dem die Schüler sich in ihren Themen, die sie besonders in der Pubertät, der Phase des Erwachsenwerdens beschäftigen, gesehen fühlten.
Dies spiegelte auch die fast durchgängig aufmerksame Stimmung im Publikum wider. Die Schauspieler zeigten überragende Leistungen und stellten die Szenen so lebensnah dar, dass einige Schüler in einer anschließenden Fragerunde wissen wollten, ob die Szenen wirklich gespielt waren oder ob zwischen den Darstellern auch reale Beziehungen bestehen würden. Es kamen außerdem Fragen auf wie zum Beispiel: „Wie fühlt es sich für dich als Mann an, einen Mann zu küssen?“ Der Befragte reagierte cool, schaute nur zu seinem Kollegen und fragte ihn: „War ein guter Kuss, oder?“ Sein Kollege bejahte dies schmunzelnd. Dieser Moment und andere vermittelten den Schülern in entspannter Atmosphäre, dass jede Form der Zuneigung zwischen Menschen als völlig normal angesehen werden sollte. Einige Schüler empörten sich darüber und hatten viel Diskussionsbedarf. Es fielen auch Äußerungen wie „Sollen die das doch zu Hause machen, aber nicht vor meinen Augen.“
Aussagen und Denkweisen dieser Art unterstreichen nochmal die Relevanz und die Chance von Stücken wie „Fucking fucking schön“, weil es wichtig ist, mit den Schülern solche Sichtweisen kritisch zu hinterfragen, um sie sich langfristig zu toleranten und respektvollen Erwachsenen entwickeln zu lassen. Im Stück heißt es in einer Szene: „Die Leute würden sich so viel Stress ersparen, wenn sie mehr als eine Sichtweise zulassen würden.“ Und das bringt es im Grunde auf den Punkt. Ein sehr positives Feedback kam vor allem von weiblichen Schülerinnen, die betonten, wie wichtig sie die Thematik des ersten Mals fanden und wie gerade junge Mädchen dabei für sich einstehen dürfen und ihre Grenzen sowie Bedürfnisse offen kommunizieren sollten.
Insgesamt kann man sagen, dass das Stück in den Köpfen der Schüler nachwirkte und Tage, sogar Wochen später immer wieder unterschiedlichste Aspekte auftauchten, die besprochen werden wollten. Die Lehrenden haben ihr Bestes gegeben, den Raum dafür zu bieten und auf die Themen und Fragen der Lernenden einzugehen. Es sind immer wieder spannende und teils auch hitzige Situationen des Austauschs entstanden, aus denen die Schüler etwas für sich mitnehmen konnten.
Einige kritische Stimmen stellten die Frage in den Raum, ob für die Schüler einer achten Klasse dieses Stück überhaupt schon altersgerecht sei. Um dies zu beantworten, sollte man sich wiederum fragen, in welchem Alter die wichtigen Fragen des Lebens, vor allem auch in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen denn in den Köpfen der Jugendlichen auftauchen. Wie viele trauen sich nicht, diese Fragen zu stellen und orientieren sich deshalb wahllos an Aussagen und Handlungsweisen Anderer, ohne diese zu hinterfragen. Wie viele Jungen denken, sie müssten immer cool wirken, um gut anzukommen und wie viele Mädchen denken, sie müssten immer „Ja“ sagen, um nicht verklemmt zu wirken? „Fucking fucking schön“ fordert sein Publikum auf, ehrlich, mutig und authentisch zu sein und das macht es so besonders und wertvoll für die Jugendlichen.